Erfolgreicher Verlauf des Antirassistischen Aktionstags

Lager in der Motardstr.

Ca. 300 Menschen, darunter zahlreiche BewohnerInnen des Lagers in der Motardstraße 101a, protestierten am Samstag, den 7. Oktober gegen die unzumutbare Situation in den Zwangsunterbringungen.

Um 12:00 sollte vor Dussmann in der Friedrichstraße demonstriert werden. Vor Dussmann ? Ja, denn Dussmann profitiert von den Zuständen in der Motardstraße. Etwa 6,5 € bekommt Dussmann für die Vollverpflegung, laut Senatsverwaltung "abwechslungsreich und den kulturellen Bedürfnissen angepass" (s. kleine Anfrange), nach eigener Inaugenscheinannahme: Unwürdiger Schweinefraß.

Die Berliner Polizei verhinderte, gestützt auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom Vorabend, dass wir unsere Meinung direkt bei dem profitierenden Dussmann-Kulturkaufhaus äußern konnten. Ein reibungsloses Geschäft bei Dussmann sei wichtiger als die Demonstrationsfreiheit unseres Bündnisses. Die massive Polizeipräsenz vor dem Eingang bewirkte allerdings das Gegenteil:

"vollverpflegung à là kulturkaufhaus dussmann"

Die vielen Fragen der PassantInnen konnten nach zähen Verhandlungen dann doch wenigstens durch Flugblätter beantwortet werden. Die Stimmung auf dem Mittelstreifen war dennoch gut.

Vor der Zwangsunterkunft Motardstraße 101a fand anschließend eine Kundgebung mit und für die BewohnerInnen statt. Etwa 200 Personen nahmen daran teil. Hier wurden Kontakte geknüpft und gegenseitig informiert. Auch an dieser Stelle hatte die Versammlungsbehörde schon im Vorfeld Schwierigkeiten gemacht. Angeblich sei die Anmeldung nicht eingegangen, das Fax war auf einmal unauffindbar, eine Kombination mit Kinder- und Freizeitangeboten qualifiziere die Veranstaltung als unpolitisch.

kein mensch ist illegal

Im Rahmen der nicht zu verbietenden Kundgebung durften dann aber anders als geplant keine Filme zu Flüchtlingsprotestaktionen gezeigt werden. Ballspiele mit den Kindern waren unerwünscht. Besonders peinlich: Das vorbereitete Essen durfte nicht von einem Tisch ausgegeben werden, sondern musste "im Dienste der öffentlichen Ordnung" vom Fußboden aus erfolgen. All diese Schikanen konnten die fröhliche und kraftvolle Begegnung von BewohnerInnen und KundgebungsteilnehmerInnen nicht verhindern. Der Kampf um die Schließung dieses Lagers in seiner jetzigen Funktion als Quasi-Ausreisezentrum hat unwiderruflich begonnen.

geige und gesang

Mehr zum Thema:

Chipkarten-Ini

Der Berliner Flüchtlingsrat

Dokumentation des Demoverbotes

Sendung vom antirassistischen Jugendradio

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