Alles Gute Lichtblick - Gefangenenzeitschrift der JVA Tegel
25.10.2008: Der Lichtblick wird, heute, am 25. Oktober 2008 40 Jahre alt. Der Lichtblick ist die unzensierte Zeitschrift von Inhaftierten der JVA Tegel und ein wichtiger Beitrag für Resozialisierung von Strafgefangenen und Pressefreiheit, selbst im Knast.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser des Lichtblicks,
ohne Deutschlands unabhängige Knastzeitung wäre meine Arbeit als Berliner Abgeordneter für BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN so nicht möglich. Als Abgeordneter möchte ich mir Einblick in die Berliner Knäste verschaffen, will die Situation im Berliner Strafvollzug verstehen und verbessern. Das gelingt mir mit Hilfe des Lichtblicks.
Nicht nur die zahlreichen Artikel aus den unterschiedlichsten Blickfeldern in und um den Knast waren von Bedeutung; durch den Lichtblick bekam ich einen unmittelbaren Eindruck von den Personen, um die es beim Strafvollzug geht: den Gefangenen.
Ich erhielt in meiner Funktion als Abgeordneter bereits Hunderte von Briefen und hatte zahlreiche sonstige, rechtlich zulässige Kontakte zu Berliner Gefangenen. Für diesen direkten Einblick in den Alltag der Berliner Knäste, insbesondere der JVA Tegel, bin ich dem Lichtblick dankbar.
Gerade bündnisgrüne und damit anti-populistische Forderungen wie z.B.:
- offener Vollzug als Regelvollzug,
- mehr Betreuung und mehr Therapien,
- reale Chancen auf vorzeitige Entlassungen,
- schnellerer Rechtsschutz im Strafvollzugs- und -streckungsrecht,
- keine Schikane bei der Haftraumausstattung,
- frühere Lockerungen oder
- Konzepte für eine altersgerechte Haft
benötigen einen starken fachlichen Rückhalt. Wichtig ist den Interessen der Gefangenen eine Stimme zu geben, um die bisher ablehnende oder zögerliche Haltung der Bevölkerung gegenüber den Belangen der Gefangen zu ändern. Auch hierfür: Danke an die gute Arbeit von Lichtblick.
Statt aber die Resozialisierung gezielt auszuweiten, erlebe ich einen ständigen Verweis auf den Neubau der JVA Heidering/Großbeeren, in der nach 2011 wieder mehr Resozialisierungsvollzug stattfinden soll. Der Neubau dieser Haftanstalt wird mit rund 120 Millionen € anderthalb mal so teuer wie zunächst geplant. Hier wird Geld an der falschen Stelle investiert und die dringend benötigten Investitionen für "mehr Betreuung" werden blockiert.
40 Jahre Lichtblick, das sind 40 Jahre einer nachahmenswerten Mischung aus Pressefreiheit und Resozialisierungsanspruch. Mehr davon!
Ich wünsche mir für die nächsten Jahre, dass der Lichtblick den Strafvollzugsbediensteten etwas mehr Platz einräumt. Bedienstete und Inhaftierte leiden gleichermaßen unter den Sparorgien und dem Qualitätsstau des Berliner Senats. Hier kann der Lichtblick auch Sprachrohr für diejenigen Bediensteten sein, die sich über den alltäglichen Vollzugsdienst hinaus Gedanken um einen effektiveren und menschenwürdigeren Strafvollzug machen.
Benedikt Lux
Die Jubiläumsausgabe des Lichtblick's ...Zum Lichtblick