"Böllert der noch richtig" Artikel aus der BZ vom 23.10.08

23.10.2008: Artikel aus der BZ vom 23.10.08 von Boris Dombrowski Diskussion um ein "Böllerverbot"

Extreme Feinstaub-Belastung, Hunderte Verletzte - Grünen-Politiker Benedikt Lux will deshalb alle Silvesterknaller verbieten. Rückendeckung kommt von der Feuerwehr

Stille Nacht zu Silvester - in Berlin sollen jegliche Knallkörper vom China-Böller bis zum Kanonenschlag verboten werden. Das fordert Grünen-Innenexperte Benedikt Lux (26).

Warum? "Zum einen, weil Böller gefährlich sind", sagt Lux. Laut Feuerwehr werden jedes Jahr im Schnitt 500 Menschen durch Silvesterknaller - zum Teil schwer - verletzt. Verbrennungen, Trommelfell-Risse, abgetrennte Finger.

Feinstaub-Belastung senken

"Wir würden ein Böllerverbot begrüßen", sagt Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. Aber Lux geht es auch um Abfallvermeidung und Klimaschutz: "Ein komplettes Böllerverbot würde auch die Feinstaub-Belastung senken."

Denn in der Silvesternacht explodieren förmlich die gefährlichen PM-10-Feinstaubwerte. Am vergangenen Neujahrstag wurde in Berlin ein Spitzenwert von 3445 Mikrogramm PM-10-Feinstaub (kann u.a. Asthma und Lungenkrebs auslösen) pro Kubikmeter Luft gemessen, der Tages-Mittelwert lag bei 221. Das ist fast das Fünffache des zulässigen Grenzwerts. Gemäß EU-Richtlinie darf der Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Deshalb hat der Senat auch die Innenstadt-Umweltzone (u.a. Diesel-Stinker-Verbot) eingeführt, deren Sinn im Böller-Nebel der Silvesternacht zu verpuffen droht.

Das sieht Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) allerdings anders: "Kurzfristige Feinstaub-Spitzenwerte sind mit langfristigen Maßnahmen wie die Umweltzone nicht vergleichbar", sagte sie der B.Z.. "Aber ich appelliere an die Vernunft der Berliner. Denn es gibt viele gute Gründe - gesundheitliche, finanzielle und umweltpolitische - auf den Kauf von Silvesterknallern zu verzichten."

Übrigens: Silvester-Raketen, Tischfeuerwerk und das Höhenfeuerwerk am Brandenburger Tor will Lux nicht verbieten.

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