Stolpersteinrundgang 09. November 2017

Stolpersteine2.jpg

Dieses Jahr jährte sich zum 79. Mal das Pogrom an den Juden in unserem Land. Auch in Steglitz waren zahlreiche jüdische Nachbarn von der Verfolgung durch das Nazi-Regime betroffen. Aus diesem Anlass trafen wir uns am 09. November mit etwa 20 Menschen, um die den Verfolgten zum Andenken verlegten Stolpersteine zu reinigen und den jüdischen Opfern zu gedenken. Unter den sechs Stationen unseres Rundganges waren auch die Wohnorte des Dr. Felix Abrahams in der Paulsenstraße 78 und Clara Herrmanns in der Muthesiusstraße 20.

Dr. Felix Abraham war ein Pionier der frühen Sexualwissenschaft. Als 27-Jähriger war er der letzte der noch von Magnus Hirschfeld (1868–1935) persönlich berufenen Ärzte am Berliner Institut für Sexualwissenschaft. Hier machte er sich vor allem durch die Beratung von Transvestiten und Transsexuellen einen Namen. Nach seinem erfolglosen Emigrationsversuch nach Schweden flüchtete er über Deutschland nach Florenz, wo er sich am 08.September 1937 das Leben nahm.

Von der am 30.11.1866 in Hagen als Clara Mosberg geborene Clara Herrmann sind leider nur spärliche Hinweise in einem Brief von Kafka erhalten, der dort von Ende August bis Mitte November 1923 in einem Erkerzimmer der Familie Hermann als Untermieter wohnte. Das Verhältnis zwischen Franz Kafka und Clara Hermann scheint insbesondere aufgrund seiner wilden Ehe mit Dora Diamant eher angespannt gewesen zu sein. Möglicherweise ließ er sich von ihr auch zu der Erzählung Eine kleine Frau inspirieren. Clara Herrmann wurde am 10. Juli 1942 deportiert und starb am 19.März 1943 in Theresienstadt.

Gerade die heutige Zeit zeigt, dass es nach wie vor wichtig ist, diese Geschichte nicht zu vergessen.